Wer bin ich?

Ständig versuche ich es allen recht zu machen … Ich passe mich jedem an.

Es ist anstrengend … auf der Arbeit jemand zu sein der ich nicht bin, weil ich jeden zufrieden stellen möchte/muss … in der Familie das vorbildliche Schaf zu sein.

Und dann kommt ein Moment in dem jemand nicht mit mir zufrieden ist und ich breche zusammen. So viel Arbeit habe ich investiert um allen zu gefallen und trotz dessen werde ich kritisiert … meistens zu Unrecht, was dann auch die andere Person feststellt aber was bringt mir das? Die ganzen eingestampften Gefühle in mir, laufen über und mein Gegenüber weiß nicht was los ist. Dann weine ich scheinbar grundlos.

Ich leiste auf der Arbeit mehr als nötig, bis mir die Kraft ausgeht … dann hat sich aber jeder daran gewöhnt und ich kann nicht zurück.

Ich bin wütend auf meinen Mann und stelle fest, dass ich keinen Anlass habe. Ich bin sauer weil er seinen Willen, seine Bedürfnisse durchsetzt und ich es nicht mache … bis mir die Kraft ausgeht. Somit fordere ich unbewusst auch von ihm ein, seine Bedürfnisse zu unterdrücken.

Meine Kinder sind die höflichsten und bravsten Kinder die ich kenne. Das meine ich ernst. Das schlimme ist, ich übe das nicht mit ihnen, ich bringe es ihnen nicht bei … sie schauen es sich von meinem unterwürfigem Verhalten ab. Wenn mir dann wieder die Kraft ausgeht, bin ich mit meinen Kindern unnötig Streng … weil ich auch so streng mir gegenüber bin und es dann auch von ihnen erwarte, weil ich so sauer auf mich bin.

Meine Oma kommt zu mir und pflanzt mir meine Pflanzen im Garten um. Sie fährt weg, ich hole die Schaufel und buddel alles zurück. Meine Oma verteidige ich aber auf mich bin ich tierisch sauer, weil ich nicht sagen konnte: ich will das nicht. Über meinen Mann lachen sie weil er es ihnen verboten hätte aber ich verteidige ihn nicht.

Der Kinderarzt verschreibt Antibiotika, ich bin dagegen … er fragt mich ob ich noch Fragen habe … Nein keine Einwände und ich bin den ganzen Tag sauer auf mich und kann mir nicht verzeihen. Meine schlechte Laune übertrage ich auf die ganze Familie und ich bin dann noch gestresster.

So geht es mir meinem Leben lang.

Gestern Abend im Bett sagt mein Sohn zu mir: „Mama morgen werde ich brav und lieb sein.“ Das ist ein Stich in mein Herz. „Nein, du musst nicht brav und lieb sein. Auch Erwachsene haben mal schlechte Laune oder keine Lust nett zu sein. Du bist ein toller Junge und Mama hat dich so doll lieb ….“.

Ich habe gelesen, um diesem Verhalten entgegen zu wirken, soll man sein Verhalten in einem Tagebuch analysieren, ohne sich dabei Vorwürfe zu machen. Beim schreiben dieses Textes geht es mir schon viel besser aber ich habe trotzdem so eine Wut auf mich, dass ich mich schwer tue sie zu bendiegen/unterdrücken. Ständig nörgel ich im Inneren auf mir herum und alle anderen verteidige ich. Warum kann ich die Wut nicht an denen auslassen auf die ich eigentlich sauer bin. Warum lasse ich sie an mir aus und mache mich kaputt.

Noch so ein toller Tip, „man soll sich treu sein“ aber wer bin ich und was will ich? Möchte ich meine Oma wirklich jede Woche besuchen oder möchte/muss ich die vorbildliche Enkelin bleiben?

Ich will nicht, dass meine Kinder sich so ein Verhalten bei mir abschauen. Ich will nicht meinen Mann für ein Verhalten kritisieren, um das ich ihn beneide und verdammt ich will ihn stattdessen verteidigen! Wie komme ich aus mir raus? Weg von diesem Verhalten.

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12 Gedanken zu “Wer bin ich?

  1. Dieser Weg wird kein Leichter sein … aber Du solltest ihn unbedingt gehen und vor allen Dingen erstmal finden. Du hast es wunderschön beschrieben und kennst das Problem. Das ist schon der erste grosse Schritt. Lieben Gruss, Jenni

    • Danke, ich denke allein schön für meine Kinder lohnt es sich den Weg in Angriff zu nehmen. Heute bin ich schon viel fröhlicher, weil ich es ausgesprochen habe und weil ich mehr geschlafen habe als sonst. Ich glaube das trägt auch viel dazu bei.

  2. Ich glaube das Problem haben viele Frauen, vor allem die mit mehreren Aufgabenfeldern. Vielleicht sollten wir uns nicht immer so unter Druck setzen, erst recht nicht gegenseitig, und dann uns eine Scheibe von den Männern abschneiden, die ja oft viel pragmatischer sind. Aber ich schätze das ist nicht so einfach… sei fest gedrückt und zur Not mal nen Teller zerdeppern. Das hilft bei mir ganz gut. 😉 Glg Betty

  3. Ich gebe meiner Vorkommentatorin recht. Es geht uns allen so, einmal weniger doll, einmal ganz heftig. Eigentlich hast Du in Deinem Text schon Lösungsvorschläge gegeben: nicht ständig unter Druck setzen lassen, mal nein sagen können, nicht immer mehr leisten wollen als nötig usw. Natürlich ist es sehr schwer, diese Ratschläge immer zu befolgen, aber schon alleine die Erkenntnis und der Vorsatz helfen … jeden Tag einen Schritt weiter. Und von den Männern mal abschauen, wie man eine Arbeit einfach mal liegen lässt und chillt … das ist eine gute Idee.
    Ganz lieben Gruss,
    Claudine

    • Ja meinen Mann beneide ich häufig, wie leicht er Entscheidungen fällt, mit seinem Vorgesetzten redet und grundsätzlich seine Einstellung zum Leben.

      Manchmal ist er zu direkt und merkt es im Nachhinein aber dann hat er auch den Mut sich bei der Person zu entschuldigen. Er scheint im reinen mit sich zu sein.

      Mein Gewissen ist ständig am arbeiten.

  4. Mir ging es genau so. Bis zum Zusammenbruch mit Herzrasen. Krankenhaus, nix gefunden. Mein Hausarzt ist glücklicherweise auch Psychotherapeut. Er hat mich zu einer psychosomatischen Kurz überredet und auch den Antrag gestellt. Als Reha. Danach zwei Jahre ambulante Therapie. Heute kann ich sehr deutlich nein sagen. Und das, ohne verletzend für andere zu sein oder auf der Arbeit als nicht leistungswillig zu gelten. Aber der Weg dahin war lang. Und ich hätte ihn ohne professionelle Hilfe nicht geschafft. Sprich mal mit Deinem Hausarzt oder vielleicht sogar mit Deiner Frauenärztin. LG Christina

    • Ich habe in meiner Beruflichen Laufbahn unteranderem auch Unterricht in Psychologie und Soziallehre gehabt. Wir hatten das Thema Verhaltensmuster und Ängste behandelt und wir haben gelernt was es für Therapiemöglichkeiten gibt. Somit kenne ich die Antwort auf meine Fragen. Ich hatte zb Tics gehabt, aus denen ich mich selbst befreien konnte und ich weiß wie ich mich aus diesem Problem befreien kann aber es muss in meinem Kopf klick machen damit ich auch den Willen dazu habe.

      Letztendlich meint es jeder gut mit mir, jetzt liegt es an mir weniger Streng mit mir zu sein und das muss ich mit mit klären.

  5. PS: Gibt es bei Euch eine Stelle, die Selbsthilfegruppen koordiniert oder vermittelt? Eine solche Gruppe könnte auch ein Weg sein. Bei uns macht das die AWO.

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